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Aufgepasst: Komplexität macht Angst!

Wie gelassen bleiben Sie eigentlich, wenn Sie mit komplexen Problemen konfrontiert sind?


Komplexe Probleme können uns überfordern.

Komplex nennen wir ja gern solche Herausforderungen, die mehr oder weniger unüberschaubar sind, weil ein Problem in all seinen Abhängigkeiten und Verästelungen nie ganz überblickt werden kann und im Anfang nicht einmal ein verlässlicher Ansatz zu einer Lösung besteht.


Wer da gleich an gigantische Bauprojekte wie den Flughafen BER oder verzwickte menschliche Konflikte z.B. zwischen zerstrittenen Ehe- oder Geschäftspartnern denkt, liegt zwar nicht falsch. Aber Komplexität ist bereits auch dann im Spiel, wenn eine kritische Teambesprechung per Videokonferenz über Distanz moderiert werden soll. Oder bereits dann, wenn ein wichtiges Telefonat mit einem Unbekannten ansteht. In keinem der Fälle wissen wir anfangs, worauf wir uns einlassen, welche Herausforderungen und Überraschungen uns unterwegs begegnen werden – weil die beteiligten Faktoren und menschlichen Akteure nicht berechenbar sind.


Komplexität, hat der Soziologe Niklas Luhmann geschrieben, kommt durch die Freiheit des Menschen in die Welt. Komplexität wird aber noch zusätzlich heute – so sehen es viele – zu einem immer größeren Problem, weil Digitalisierung und globale Kommunikation und Mobilität ständig weitere Freiheits- und Handlungsräume erschließen, die es von Technik unterstützten Menschen ermöglichen, immer mehr auf eigene Faust zu unternehmen – überall und jeder Zeit. Überhaupt könnte unsere Arbeit in den kommenden Jahren nochmals komplexer werden, weil die einfachen Routineaufgaben uns zusehends von Computern (Stichwort KI!) abgenommen werden. Und schließlich, so hat Erich Fromm, ein anderer bekannter Sozialforscher schon vor vielen Jahrzehnten bemerkt, macht Komplexität die Dinge nicht nur schwieriger, sondern sie macht auch Angst.

Lesetipp 1

Andreas Schiel (2016): Warnhinweis. Komplexität gefährdet Ihre psychische Gesundheit. Blog-Artikel abrufbar bei arbeit:morgen.


Über Angst reden die meisten von uns eher ungern. Besonders bei der Arbeit nicht – wer will schon als ängstlich und überbesorgt erscheinen, als überfordert gar? Tatsächlich aber, so hat es Erich Fromm schlüssig beschrieben, kann Komplexität letztlich jeden überfordern und verängstigen, weil sie auf Freiheit beruht. Und Freiheit kann – das wird manchmal vergessen – nicht nur Spaß machen, sondern eben auch Angst. Warum? Weil Freiheit immer auch die Möglichkeit impliziert, Fehler zu machen und dadurch schuldig zu werden. Am Unglück anderer, sei dieses wirtschaftlich, gesundheitlich, persönlich. Wer seine Freiheit falsch gebraucht, kann Schaden anrichten – und das auch bei sich selbst.


Heutzutage tragen wir dieser Problematik immerhin teilweise Rechnung, indem wir beispielsweise ausführlich über die Fehlerkultur in Unternehmen diskutieren. Wir fragen: Was geschieht eigentlich, wenn jemand falsch liegt oder irrtümlich einen Schaden verursacht? Wird er oder sie unbarmherzig zur Rechenschaft gezogen oder sind Fehler akzeptierter und alltäglicher Bestandteil des Arbeitsalltages?

Lesetipp 2

Andreas Schiel (2017): Schafft mehr Komfortzonen. Blog-Artikel abrufbar bei arbeit:morgen.

Nicht selten wird dann die Forderung erhoben, Fehler machen solle als Tugend gelten, und sei dieser Kulturwandel in einer Organisation erst vollzogen, dann könne ohne Angst gehandelt werden. Dieser etwas blauäugige Umgang mit dem Thema unterschlägt aber, dass Freiheit und Eigenverantwortung dennoch Angst erzeugen können, weil die Furcht vor den manchmal schwerwiegenden Folgen eines Fehlers ja durchaus rational und berechtigt sein kann. Wer will denn auch ernsthaft zu Fehlern aufrufen, wenn beispielsweise in einem lange bestehenden Unternehmen geschäftliche Erfolge und Arbeitsplätze langfristig auf dem Spiel stehen?


Das wäre eine Verkennung und Verharmlosung von Komplexität. Sie ernst zu nehmen heißt, auch Ängste ernst zu nehmen, die natürlicher und nicht selten gesunder Weise mit ihr verbunden sein können. Wer sich dazu weiter informieren und herausfinden will, warum in diesem Zusammenhang auch die gezielte Einrichtung von Komfortzonen empfehlenswert sein kann, der kann sich hier und hier näher mit den Gedanken von Erich Fromm und der Herausforderung Komplexität im Arbeitsalltag befassen.

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