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Ein Kompass für die Arbeit 4.0 - Fünf-Dimensionen-Modell


In einer Veranstaltung des Arbeitslabors mit Eigentümern und Managern kleiner und mittlerer Unternehmen stellte ein Teilnehmer die Kernfrage für jeden Unternehmer: Was aus der Diskussion zum Thema Digitalisierung und Arbeit 4.0 ist für uns am relevantesten? Mit anderen Worten: Wo sollen wir anfangen?

"Bescheidwisser" haben darauf natürlich sofort eine Antwort. Meist hat der Vorschlag viel mit den eigenen Kernkompetenzen zu tun. IT- Firmen preisen ihre Software an, der Reengineering-Berater möchte sofort alle Prozesse digitalisieren und der Berater mit Abschluss in Organisationspsychologie sieht das Problem in der "analogen" Unternehmenskultur. Alle haben Maßnahmen parat, die "garantiert zum Erfolg führen".

Arbeitslaboranten machen sich die Antwort nicht ganz so einfach, denn die Frage ist sehr schwer zu beantworten. Jedes Unternehmen hat individuelle Bedarfe und sehr spezifische Chancen durch die Digitalisierung. Man benötigt also statt schneller Antworten eher einen einfachen und pragmatischen Kompass, der die möglichen Richtungen anzeigt. Welche Richtung dann eingeschlagen wird, bleibt natürlich dem einzelnen Unternehmen überlassen.

Ein Kompass mit fünf Dimensionen

Ein solcher Kompass kann das abgebildete Konzept mit fünf Dimensionen sein. Die Dimensionen sind Ergebnis einer Studie, die das Arbeitslabor gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsdesign und Zukunftstechnologien e.V. durchgeführt hat. Hier werden die relevanten Dimensionen zusammengefasst, die ein Unternehmen untersuchen muss, welches sich auf den steinigen Weg zur Arbeit 4.0 macht:

Physi(kali)sche Arbeitswelt: Gemeint sind hier Arbeitsplatz und Arbeitsort sowie die Arbeitszeit. Also die Dimensionen, anhand derer man die Arbeitsbedingungen in der Regel zuerst beschreibt.

Arbeitsprozesse und Arbeitstechnologien: Fast ebenso sichtbar wie die erstgenannten ist diese Dimension, da sie in heutzutage viel mit Hard- und Softwareausstattung zu tun hat.

Arbeitsinhalte: Dies ist natürlich die zentrale Dimension für alle, die kreative Wissensarbeit verrichten. Aber auch in der kreativsten Arbeitsumgebung existieren Routineaufgaben und weniger herausfordernde Aufgaben der allgemeinen Verwaltung.

Arbeitsorganisation: Diese Dimension bedeutet auf der einen Seite die Einbindung des jeweiligen Arbeiters in Hierarchie und Managementstrukturen. Es werden aber auch Fragen des Managements also der Führung von Mitarbeitern adressiert.

Arbeitskultur: Hier handelt es sich um die Tiefenstruktur, in der die Arbeit innerhalb jeder Organisation verankert ist. Ein entscheidender Bestandteil ist die Arbeitsethik, die oftmals von den Meinungsführern der Organisation vorgelebt wird.

Alles ist in Bewegung!

Wir sind mit der Digitalisierung in einer historischen Umbruchphase, in der sich neue Ideen für Arbeitstechnik, Organisation und Management teilweise brutal gegen bestehende Strukturen durchsetzen. Viele Kommentatoren meinen daher, dass nach vielen Jahrzehnten der relativen Ruhe im späten Industriezeitalter etwas in Gang kommt, das einer tektonischen Verschiebung in der Arbeits- und Unternehmenswelt gleicht. Es ist klar, dass davon nicht nur eine, sondern alle oben gezeigten Dimensionen betroffen sind.

Unternehmen, die sich dieser Herausforderung stellen, müssen sich alle Dimensionen genau ansehen und entscheiden, an welcher Stelle schrittweise begonnen werden kann. Denn es gilt: Lieber mit kleinen Schritten in Bewegung kommen als zu warten, bis die ganz große Lösung konzipiert ist. Im Auge sollte man aber immer haben, dass diese ersten Schritte auch Wirkung auf andere Dimensionen haben und deshalb immer berücksichtigt werden sollten.

Work Design = Aktive Gestaltung der Arbeit im Unternehmen

Die Unternehmen wären gut beraten, die Entwicklung nicht zu unterschätzen und sich systematisch mit den Änderungen der Arbeitswelt auseinanderzusetzen. Dabei muss klar sein: passiv auf die Änderungen zu reagieren wird nicht ausreichen. Die Unternehmen müssen die Arbeit der Zukunft aktiv mitgestalten. Das ist, was wir mit Arbeitsdesign oder neudeutsch "Work Design" meinen: Die aktive Gestaltung der Arbeitswelt im Unternehmen und den Design der spezifischen Arbeitsbedingungen für die einzelnen Mitarbeiter.


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